Supergruppe
Heiße Hits aus der Glitzerhose
Konzert von Rockstar-Spaßprojekt Final Stap im Objekt 5 - Pop als Poperette
VON UNSEREM REDAKTEUR STEFFEN KÖNAU
Halle/MZ. Drinnen ist die Luft zum Schneiden. Und draußen stehen jene in langen Reihen, über die sich Mike Kilian heute am meisten freut: "Es ist das vierte Mal, dass wir Leute nach Hause schicken müssen", sagt der Ex-Rockhaus-Chef, der bei seinem letzten Solo-Gastspiel im Objekt 5 längst nicht so viele Fans begrüßen konnte.

Aber diesmal ist alles anders. Seit Kilian als Sänger des Rockstar-Spaßprojektes " Final Stap " unterwegs ist, könnten die Hallen gern doppelt so groß sein. Kein Wunder: Hinter ihm am Schlagzeug sitzt Prinzen-Sänger Tobias Künzel, neben ihm am Bass steht Dirk Posner ("Amor& die Kids"), an der Gitarre wirbelt der hallesche Lokalmatador Christian "Sorje" Sorge ("Blamage"). Und zwischendrin springt noch Uwe Schneider (ehemals bei den "Teens") auf die Bühne.

"Es ist das vierte Mal, dass wir Leute nach Hause schicken müssen."
Mike Kilian
Mehr Spaß war nie auf deutschen Bühnen. " Final Stap " sind ein einziger bollernder Boogie, eine zwei Stunden lang krachende Parade von heißen Hits aus der Glitzerhose. Sorge, in Purpurhemd und Lederhose, orgelt den "20. Century Boy" von T. Rex, Stimmwunder Kilian, die Hose mit glänzendem Sternenstaub präpariert, gibt Queens "Tie Your Mother Down", Künzel schreit "Metallica" und singt dann wunderkerzenwinkend "Its All Over Now Baby Blue".

Eine Nacht wie eine Zeitreise ins Damals, als Gitarren noch gnadenlos gniedeln durften und jeder Trommler mindestens ein minutenlanges Solo in die Töpfe klopfte. Doch was einst durchaus ernst gemeint war, kehrt hier als perfekte Pose wieder, Pop als Poperette, getränkt in Selbstironie. Am Ende singen alle "Back in the New York Groove", seinerzeit ein Dorfdisko-Feger der Maskenmänner von Kiss. Jetzt reimt Kilian das Stück zu "Back in the Halle Groove". Der Saal singt mit. Und die Luft brennt.

 

Konzert beim Weißenfelser Live-Club
Musikalische Auferstehung für ein "herrliches" Quartett
Final Stap bringt das alte Schloss zum Beben - Ausverkaufter Keller
VON UNSERER REDAKTEURIN YVETTE MEINHARDT
Weißenfels/MZ. Vier große Herren der Musik versprachen zum Auftakt des neuen Jahres ein Konzert der besonderen Art beim Live-Club. Der Weißenfelser Schlosskeller war am Freitagabend ausverkauft, und mehr als 300 Gäste harrten auf ihre Idole - ein "herrliches" Quartett. Doch die Herren der deutschen Musikszene stellten ihre Fans gleich zu Beginn auf eine harte Probe. Mehr als eine Stunde hatten sie sich in den "Katakomben verirrt" und ließen ihr Publikum unerbittlich warten.

Als Tobias Künzel, Mike Kilian, Christian Sorge und Dirk Posner endlich die Bühne betraten, brachten sie den Keller schnell zum Kochen. Vier Individualisten standen da, unterschiedlicher hätten sie kaum sein können. Der eine in weißem Rüschenhemd, der andere in knallenger Lederhose und Cowboyschuhen. Doch die vier vereint jahrelange Bühnenerfahrung und die Liebe zur Musik. Dieses Mal laut und krachend, eben Krach aus Leidenschaft. Rock´n Roll und immer wieder Rock´n Roll. Ein musikalisches Feuerwerk, brillante Soli ragten immer wieder heraus wie die Raketen am Silvesterhimmel.

Tobias Künzel - den meisten als ein Sänger der Prinzen bekannt - erfüllte sich selbst einen Traum und spielte die Drums rauf und runter. Sogar Kinderlieder wie "Hänschenklein" feierten auf diese Art eine musikalische Auferstehung. Die Massen tobten, und seine drei Mitstreiter gönnten sich unterdessen eine Pause im "Sauerstoffzelt". Auch jene, die die Stimme von Künzel hören wollten, kamen auf ihre Kosten. Nicht nur die weiblichen Anhänger schmachteten bei einer herrlichen Ballade von "Baby blue" dahin, um im nächsten Moment vom Schlagzeug jäh in die Realität geholt zu werden.

Jeder der vier Musiker hätte den Keller auch allein unterhalten können. Mike Kilian als Sänger (früher unter anderem bei Rockhaus) fand den direkten Draht zum Publikum, lockte drei Mädchen auf die Bühne, die sich für eine Fahrt nach Berlin eines Kleidungsstückes entledigen sollten. Dann wieder heizte er die Menge zum Mitsingen an, und alle gemeinsam grölten "Back to Weißenfels". Die Songs von Queen, Slade, T-Rex oder The Who kannte die Fangemeinde ohnehin und stimmte immer wieder ein. Und wer wollte, konnte die erste CD mit dem "Paperback Writer" auch nach Hause tragen. Einem Beatles-Song, neu belebt durch Final Stap . Nicht zu vergessen die exzellenten Soli. Christian Sorge spielte die Gitarre hoch und runter, von Hard Rock bis Bolero.

Final Stap ist ein zeitlich begrenztes Intermezzo. Vier Konzerte stehen auf dem Programm. Welch Wunder, dass sich die Band neben Leipzig, Halle und Dresden ausgerechnet nach Weißenfels verirrte.